Migrationsberatung weist den Weg in Arbeit und Teilhabe
Sozialpädagoge Mario Schäfer berät seit 15 Jahren erwachsene Zuwanderer, Sozialpädagogin Anna Pendler seit zwei Jahren. Beide wünschen sich, dass um die Finanzierung des Dienstes nicht jedes Jahr neu gerungen werden muss.
2025 haben sie in Offenburg und Kehl rund 600 Zuwanderer persönlich beraten und zusätzlich rund 500 Menschen am Telefon oder per Mail weitergeholfen. Sie verstehen sich als Lotsen, die den Ratsuchenden Wege zeigen. Dabei geht es nicht um Rechtsberatung im Asylverfahren, sondern um Schritte zur Integration.
Die Zugewanderten kommen aus unterschiedlichen Ländern und Lebenssituationen. Viele von ihnen möchten sich in Deutschland eine berufliche und gesellschaftliche Existenz aufbauen. Ob Friseur, Ingenieurin, Lehrerin oder Pflegekraft. Die Herausforderungen, vor denen sie stehen sind ähnlich: die deutsche Sprache erlernen, Qualifikationen anerkennen lassen und Zugang zum Arbeitsmarkt finden.
Welche Schritte dafür nötig sind, wissen die Fachkräfte der Migrationsberatung für Erwachsene (MBE). Der Caritasverband leistet sie in Offenburg und Kehl, das Diakonischen Werk in Lahr, Offenburg und Achern und das Deutsche Rote Kreuz in Hausach. Finanziert wird diese Arbeit vom Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF) und einem Eigenanteil der Träger.
"Die MBE sorgt für Orientierung und Teilhabe am gesellschaftlichen Leben, an Bildung und am Arbeitsmarkt", erklärt Mario Schäfer. "Unser Ziel ist, dass die Menschen ihre nächsten Schritte selbst gehen können", ergänzt Anna Pendler. Beide sind eng vernetzt sind mit Jobcentern, Ausländerbehörden, Sprachkursträgern sowie Migrantenvereinen und ehrenamtlichen Initiativen. So können sie Zugänge zum Arbeitsmarkt und zum gesellschaftlichen Leben erleichtern.
Eine Analyse im Auftrag der Liga der Wohlfahrtsverbände Baden-Württemberg aus dem Jahr 2025 kommt zu dem Ergebnis, dass jeder in die Migrationsberatung investierte Euro ein Vielfaches an Folgekosten für den Sozialstaat vermeidet. "Die MBE erweist sich als zentraler Bestandteil einer vorausschauenden Integrations- und Standortpolitik", folgert die Liga.
"Viele Syrer, die 2015 nach Deutschland gekommen sind, sind inzwischen eingebürgert", sagt Mario Schäfer. Vielen von ihnen habe die MBE beim Start geholfen. "Die Zugewanderten brauchen diese Unterstützung - und die Gesellschaft ebenso, auch im Hinblick auf den Fachkräftemangel", ergänzt Anna Pendler. Ihr gemeinsames Fazit: Die Integration in den Arbeitsmarkt und die gesellschaftliche Teilhabe gelingen dank der Beratung. Der Dienst hat sich bewährt und sollte dauerhaft gesichert sein.
Auf mögliche zukünftige Einschränkungen weist der Fachbereichsleiter für die Beratenden Dienste beim Caritasverband Vordere Ortenau, Andreas Hillebrandt, hin. Der Entwurf einer neuen Förderrichtlinie für 2027 deute darauf hin. Demnach sollen die Beratungen eingeschränkt werden. Nach Einschätzung der Fachkräfte würden die geplanten neuen Regeln ihre Arbeit deutlich erschweren und zu zusätzlichen Belastungen für die Kommunen und Landkreise führen.

Mario Schäfer und Anna Pendler vom Caritasverband Vordere Ortenau leisten Migrationsberatung für Erwachsene in Offenburg und Kehl. Jedes Jahr helfen sie hunderten Zugewanderten, sich ins Arbeitsleben und die Gesellschaft zu integrieren.